Nachhaltiges Wohnen und was darunter verstanden wird

Anna Franke

Anna Franke

Anna ist Innenarchitektin und angehende Baubiologin. Mit ihrem eigenen Büro, Green Birds Studio, legt Anna wert auf Wohngesundheit und ökologisches Bauen. Bei heycoori teilt Anna ihre Gedanken und Ideen zum Thema: Nachhaltiges Wohnen und was das eigentlich bedeutet.

Form, Funktion und Nachhaltigkeit sollen sich gegenseitig unterstützen

Das Corona-Jahr 2020 hat mehr denn je verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich eine Wohlfühloase in den eigenen vier Wänden zu schaffen. Hier kann ich Energie tanken, die Seele baumeln lassen, an neuen Ideen tüfteln und mir meinen eigenen Rückzugsort schaffen. 

Genauso haben die vergangenen Klimakatastrophen in diesem Jahr gezeigt, dass wir bereits mitten in der Klimakrise stecken. Einige Beispiele dafür sind die Flutkatastrophe in Westdeutschland, Erdrutsche und Überschwemmungen in Indien, Tornados in China und Tschechien, Überschwemmungen in Afghanistan und Philippinen, Waldbrände in Sibirien, Türkei, Kanada und USA, Dürren in Jordanien und Iran. Damit wir und die nachfolgenden Generationen weiterhin auf einem lebenswerten Planeten leben können, der uns ernährt und Freude bereitet, müssen wir unser Handeln und unsere Lebensweise überdenken und ändern. Und hier bedeutet »müssen« nicht auf etwas zu verzichten. Sondern eine Veränderung in unserem Lebensstil.

Als Innenarchitektin ist es mir eine Herzensangelegenheit auf das Ausmaß der Klimakrise und deren Folgen, welches sie auf unser Leben und Wohnen haben, aufmerksam zu machen und Alternativen vorzustellen. Es ist wichtig eine Lebensform zu finden, die der Umwelt zugute kommt und wir dennoch stilvoll und angenehm wohnen können.

Welche Ziele werden beim nachhaltigen Wohnen angestrebt?

Verringern des Ressourcenverbrauch

Reduktion von Betriebskosten

Nutzung von gesunden und ökologischen Baustoffen

Minimierung von Giftstoffen in Baumaterialien

Erholsame Umgebung schaffen

Die Baubranche ist der Hauptverursacher für den enormen Ressourcen- und Energieverbrauch in Deutschland. Das bedeutet im Bereich Wohnen und Bauen haben wir einen großen Hebel, an dem wir ansetzen können und jeder Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten. In Summe geht es darum, dass jeder etwas dazu beitragen kann, um das natürliche Gleichgewicht wieder herzustellen und der Klimakrise entgegenzuwirken. Was nützt uns ein Haus in einer ganzen Stadt, was ökologisch und nachhaltig gebaut wurde? Es sind die kleinen Schritte von uns vielen Menschen, die zählen und bedeutsam sind.

Die Bedeutung von nachhaltigem Wohnen

Viele von uns haben die Vorstellung, dass sie minimalistisch und steril wohnen müssten, um nachhaltig zu wohnen. Es ist zwar richtig, dass es der erste Schritt ist, den Massenkonsum kritisch zu hinterfragen. Allerdings ist es mir grundsätzlich wichtig, dass die Individualität jedes Einzelnen gezeigt werden und zum Ausdruck kommen kann.

Nachhaltiges Wohnen bedeutet möglichst umweltneutral mit wenigen Produkten und Ressourcen zu leben. Es ist ein bewusstes und achtsames Einrichten und Wohnen.

Ich gebe zu, manchmal stehen wir vor einigen Herausforderungen in der Umsetzung, aber es gibt eine Reihe an Möglichkeiten, die umsetzbar sind.

Für das nachhaltige Wohnen ist es eine Grundlage, auf gute und beständige Möbel zu achten, die am besten multifunktional sind und sich leicht reparieren lassen. Die Möbel sollten aus einer verantwortlichen Produktion stammen, denn auch hier ist es von Bedeutung die gesellschaftlichen Fragen mit einzubeziehen. Es geht dabei um faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen. Erhält z.B. der Bauer der Baumplantage auch eine faire Bezahlung für seine Arbeit? Oder sind die Mitarbeiter giftigen Dämpfen ausgesetzt und müssen ohne Schutz darin arbeiten? Achtet der Produzent auf Transparenz in seiner Liefer- und Produktionskette? Oder ist er nur damit Beschäftigt seine Aktionäre genügend Dividenden auszuzahlen und übernimmt keine Verantwortung für seine Mitarbeiter und Produzenten? Wir haben die Entscheidung! Du entscheidest mit jedem Kauf, welches System du unterstützt. Getreu dem Motto: Jeder Kassenzettel ist ein Wahlzettel – das sollte dir bewusst sein, welcher enorme Bedeutung das hat.

Stell dir mal vor, wie fantastisch es wäre, wenn wir uns nur mit Dingen umgeben, die die Biodiversität fördern, Tierarten erhalten bleiben und wir ein Leben führen, das auf einen wertschätzenden Umgang miteinander beruht. Ein Gefühl von Unbeschwertheit und Leichtigkeit erfüllt uns. Denn durch die Nutzung von Produkten aus fairen und nachhaltigen Produktionen, müssen weder Menschen, Tiere noch die Natur leiden. Du kannst dich am Ende des Tages entspannt zurücklehnen und weißt, du hast alles in deiner Macht stehende getan, um die Welt ein Stück besser zu machen.

 

Reduzieren – Verwerten – Recyceln: die wichtigsten Begriffe des nachhaltigen Wohnens

Beim Reduzieren wird der schonende Umgang mit Ressourcen verstanden. Es ist damit keine minimalistische Lebensweise gemeint, sondern eine bewusstere, effizientere und ausgeklügelter Haltung. Es geht dabei um bewusste Entscheidungen bei Verbrauchsgütern, wie Möbel und Kleidung oder auch die Senkung der Betriebskosten im Haushalt. Uns Menschen wird durch Werbung und Medien suggeriert, dass wir glücklicher sind, wenn wir das Sofa, dieses Regal etc. besitzen. Erreichen wir das, brauchen wir wieder etwas, was wir angeblich zum glücklich sein benötigen. Es ist ein Kreislauf, aus dem wir nur entkommen, wenn wir bewusst hinterfragen, brauch ich das wirklich? Viele Dinge stehen dann doch nur in der Wohnung, verstauben und verbrauchen teure Wohnfläche. Nicht zu vergessen, es wurden für die Dinge wertvolle Ressourcen verbraucht. Das Ressourcen-Budget weltweit haben wir im August 2021 bereits aufgebraucht. Betrachten wir nur Deutschland, so haben wir den Overshoot-Day sogar bereits im Mai 2021 überschritten. Das bedeutet im Klartext, wir haben bis Mai 2021 so viel Ressourcen verbraucht, wie die Erde in einem Jahr erneuern kann. Wir fällen mehr Bäume als Nachwachsen, wir stoßen mehr CO2 aus, wie Wälder und Ozeane absorbieren können. Wir können das nur ändern, in dem wir weniger Ressourcen verbrauchen. Das bedeutet nur das kaufen, was wir benötigen und das aus nachhaltigen Produktionen. Alternative bieten hier Secondhand-Möbelläden oder auch Kleinanzeigen. Damit lässt sich wunderbar ein Zimmer neugestalten, ohne neue Ressourcen zu verbrauchen. Und jemand anderes freut sich über das Regal, das du nicht mehr benötigst, da er schon lange danach gesucht hat.

Verwerten meint die Wiederverwendung von ausgemusterten Sachen, indem ein Stuhl durch einen neuen Anstrich eine zweite Chance bekommt. Oder der alte Sessel durch eine neue Polsterung wieder zum Leben erweckt wird. Bei der Verwertung geht es aber auch darum, dass die Materialien und Methoden, die zur „Aufwertung“ genutzt werden, ebenfalls aus nachhaltigen, verantwortungsvollen Produktionen und nachwachsenden Rohstoffen stammen. Durch die Verwertung bestehender Möbel werden Ressourcen und Energien (in der Produktion) gespart. Ein bekanntes Beispiel ist z.B. die Verwendung von alten Wein- und Obstkisten als Regale oder die Paletten-Möbel. In meinen Projekten polstere ich häufig Sessel oder Sofas auf. So erhalten Sie einen modernen Look und werden zu neuen Hinguckern. Ich schaue mir an, was ist bereits vorhanden und welche Elemente können durch eine neue Farbe oder durch einen kleinen Umbau wieder integriert werden.

Wenn aus alten Materialien wieder neue Produkte hergestellt werden, sprechen wir vom Recyceln. Dabei werden noch brauchbare Materialien vor der Mülldeponie und Verbrennungsanlage gerettet. Aufgrund der begrenzten Ressourcen, ist darauf zu achten, dass wir das was bereits da ist, weiterverwenden. Durch diesen Prozess verlängern wir den Lebenszyklus der Materialien.

Bei diesen Begrifflichkeiten gilt folgende Hierarchie:

  1. Reduzieren: Verbrauch reduzieren
  2. Verwerten: Wiederverwendung der bestehenden Produkte. Bei der Aufwertung auf nachhaltige und nachwachsende Rohstoffe achten.
  3. Recyceln: die Aufbereitung der Materialien zu anderen Produkten, um den Lebenszyklus der Materialien zu verlängern.

Haben wir dies verstanden und versuchen dies als Grundlage für unser Wohnen und Leben zu integrieren, ist in jedem Fall ein großer Schritt für einen lebenswerten Planeten, der in seinem natürlichen Gleichgewicht befindet, intakte Landschaften aufweist, genügend und sauberes Trinkwasser und fruchtbaren Boden bereithält und eine gesunde Flora und Fauna besitzt, für uns und die nächsten Generationen getan.

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